{"id":467,"date":"2020-04-12T13:16:09","date_gmt":"2020-04-12T13:16:09","guid":{"rendered":"https:\/\/bulirsch.eu\/wordpress\/?p=467"},"modified":"2020-04-12T13:20:47","modified_gmt":"2020-04-12T13:20:47","slug":"rede-zum-75-geburtstag-von-prof-dr-hans-joerg-stetter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bulirsch.eu\/home\/rede-zum-75-geburtstag-von-prof-dr-hans-joerg-stetter\/","title":{"rendered":"Rede zum 75. Geburtstag von Prof. Dr. Hans J\u00f6rg Stetter"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Hans J\u00f6rg Stetter,<\/h3>\n\n\n\n<p>Dienstag, 8. April 1930. Der Chronist notiert:&nbsp;<em>Berlin, Parteivorstand und Parteivertretung der Deutschnationalen Volkspartei sprechen Alfred Hugenberg als dem Parteivorsitzenden einstimmig das Vertrauen aus. Hugenbergs Stellung wurde am 3. April ersch\u00fcttert, als der Politiker sich mit seiner regierungsfeindlichen Haltung innerhalb der DNVP-Fraktion im Reichstag nicht durchsetzen konnte.<\/em>&nbsp;Anderes fand der Chronist nicht wert zu erw\u00e4hnen. Aber: An diesem 8. April 1930 wird Hans J\u00f6rg Stetter geboren.<\/p>\n\n\n\n<p>Ist es Zufall? Nur wenige Tage sp\u00e4ter wird in Berlin der deutsch-\u00f6sterreichische Handelsvertrag unterzeichnet. \u00d6sterreich darf ab sofort seine Industrieerzeugnisse bevorzugt (zollfrei) und ohne Einschr\u00e4nkungen in das Deutsche Reich einf\u00fchren. Kurz zuvor Urauff\u00fchrung des Films &#8222;Der blaue Engel&#8220; in Berlin. Die verfilmte Trag\u00f6die des ungl\u00fcckseligen Professors Unrat wird zum Beginn einer anderen gro\u00dfen Karriere, der von Marlene Dietrich. Und der Professor Unrat? Der ist eine Art Gegenentwurf zum Jubilar.<\/p>\n\n\n\n<p>Schlaglichter von 1930: Im Juni des Jahres wird am Massachusetts Institute of Technology der erste Gro\u00dfrechner, gebaut von Vannevar Bush, in Betrieb genommen. Ein elektromechanischer Analogrechner zur graphisch-numerischen Integration von Differentialgleichungen. In Berlin findet die zweite Weltkraftkonferenz statt. 48 Nationen nehmen teil. Der greise Thomas Alva Edison, der gro\u00dfe Erfinder, reist eigens zu dieser Konferenz von New York nach Berlin. F\u00fcr einen alten Mann eine damals sehr beschwerliche Reise. Albert Einstein h\u00e4lt auf der Konferenz einen Vortrag \u00fcber das &#8222;Raum-, Feld- und \u00c4therproblem in der Physik&#8220;. Der theoretische Physiker Einstein war anders als viele seiner Kollegen sich nie zu schade, zu eminent wichtigen praktischen Fragen Stellung zu beziehen, und er sieht in der Konferenz eine verhei\u00dfungsvolle Manifestation der kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Zusammenarbeiten der Nationen. Reichspr\u00e4sident von Hindenburg richtete eine Botschaft an die Vertreter der 48 teilnehmenden Nationen:<br><em>&#8230; Die Versorgung mit Kraft, Licht und W\u00e4rme in immer neuen &#8230; Formen wird sich als ein wirksames Mittel erweisen, die Wirtschaftst\u00e4tigkeit der V\u00f6lker zu beleben, die Arbeitslosigkeit zu mindern und so den St\u00f6rungen entgegenzuwirken, unter denen heute das Wirtschaftsleben fast aller L\u00e4nder leidet.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das k\u00f6nnte auch von 2005 sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Der monumentale Roman &#8222;Der Mann ohne Eigenschaften&#8220; erscheint. Die Hauptfigur des Werkes, Ulrich, durchl\u00e4uft viele Inkarnationen. Vor allem und zun\u00e4chst die eines Mathematikers. Geschrieben hatte den Roman Robert Musil, der gro\u00dfe, mit vision\u00e4rer Kraft ausgestattete Dichter, einen der allerkl\u00fcgsten Menschen hat man ihn genannt. Wien war damals eine von Talenten \u00fcberquellenden Stadt.<br>Der Dipl.-Ing. Musil hatte in Berlin Philosophie und Mathematik studiert und dort \u00fcber den gro\u00dfen \u00f6sterreichischen Physiker Ernst Mach promoviert; den mathematischen Teil seiner Doktorpr\u00fcfung absolvierte er bei Hermann Amandus Schwarz, dem Nachfolger von Karl Weierstra\u00df. Mann ohne Eigenschaften? Musil hatte die Werke eines gro\u00dfen Denkers des Abendlandes aus dem 14. Jahrhundert, des Dominikanerm\u00f6nchs Eckhart von Hochheim aus Th\u00fcringen, genannt Meister Eckhart, studiert und die Radikalit\u00e4t der Philosophie des Dominikanerm\u00f6nchs ist nicht ohne Einflu\u00df auf Musil geblieben. In den Werken Meister Eckharts und in seinen von h\u00f6chster Spiritualit\u00e4t erf\u00fcllten Predigten weist der Begriff, das Attribut &#8222;ohne Eigenschaften&#8220; zu sein, auf Transzendenz. W\u00f6rter wie &#8222;Begriff&#8220;, &#8222;Eigenschaft&#8220; und viele andere mehr sind von Meister Eckhart f\u00fcr die deutsche Sprache gepr\u00e4gt worden.<\/p>\n\n\n\n<p>Musil \u00fcber Mathematik:&nbsp;<em>Man kann die Mathematik eine geistige Idealapparatur nennen, mit dem Zweck alle &#8230; m\u00f6glichen F\u00e4lle prinzipiell vorzudenken &#8230; Dieses Dasein, das um uns l\u00e4uft, &#8230;steht, ist nicht nur f\u00fcr eine Einsehbarkeit von der Mathematik abh\u00e4ngig, sondern ist effektiv durch sie entstanden, ruht in seiner Existenz auf ihr &#8230;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>In ein solches Dasein wird Hans J\u00f6rg Stetter hineingeboren. Keine leichte Zeit damals, aber er hat Gl\u00fcck mit seinem Elternhaus in M\u00fcnchen. Die Sterne standen g\u00fcnstig.<\/p>\n\n\n\n<p>1930 erhebt sich auch das Junckers Flugzeug JU 52 zum erstenmal in die Luft. Flugzeuge wurden damals ausschlie\u00dflich nach Ergebnissen von Versuchen im Windkanal konstruiert. Heute werden sie nach mathematischen Gesetzen im Computer entworfen. Und Hans J\u00f6rg Stetter sollte dazu wichtige Beitr\u00e4ge leisten, aber das wird viel sp\u00e4ter sein. Und auch die oben genannten anderen Ereignisse von 1930, sie haben alle irgendwie mit dem sp\u00e4teren Wirken von Hans J\u00f6rg Stetter zu tun. Die Wahl seines Geburtsjahres ersparte ihm viel. Viele seiner nur wenig \u00e4lteren Schulkollegen fielen im Krieg, haben ihr Leben hingeben m\u00fcssen f\u00fcr nichts.<\/p>\n\n\n\n<p>Stetter studiert in M\u00fcnchen Mathematik und Physik. Dort, an der Universit\u00e4t, lehrten hoch renommierten Mathematiker, die Geheimr\u00e4te Perron, Tietze, Carath\u00e9odory und Sommerfeld, der Physiker. Integre, lautere Pers\u00f6nlichkeiten.<br>Perron und Tietze, klein von physischer Gestalt besa\u00dfen sie den Mut von L\u00f6wen. Furchtlos hatte Perron auf einer mathematischen Tagung in den 40er Jahren in Wien in einem flammenden, aufr\u00fcttelnden Appell die Verfolgung der j\u00fcdischen Kollegen als Schande f\u00fcr Deutschland angeprangert. Die Zuh\u00f6rer waren gel\u00e4hmt vor Angst und Entsetzen und erwarteten f\u00fcr Perron (und auch f\u00fcr sich) das schlimmste. Es geschah aber nichts. Zun\u00e4chst noch nichts. Aus aufgefundenen Aktenvermerken der Nazi-Zeit wei\u00df man, da\u00df mit der, so hei\u00dft es dort, &#8222;reaktion\u00e4ren Brut&#8220; in M\u00fcnchen, den Tietzes, Perrons, Sommerfelds nach dem Endsieg kurzer Proze\u00df gemacht wird&#8220;; in concreto: Galgen oder Fallbeil. Nach dem Krieg wird Albert Einstein nach M\u00fcnchen schreiben:&nbsp;<em>Lieber Sommerfeld, es war eine wirkliche Freude f\u00fcr mich, Ihre leibhaftigen Zeilen nach all den finsteren Jahren zu empfangen &#8230; Ich habe mit Freude geh\u00f6rt, da\u00df Sie zu den paar Einzelnen geh\u00f6rt haben, die standhaft geblieben sind &#8230;<\/em>&nbsp;Diese akademischen Lehrer haben Hans J\u00f6rg Stetter gepr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<p>Stetter wechselt sp\u00e4ter an die Technische Hochschule M\u00fcnchen. Dort wirkte der gleichfalls hochrenommierte Mathematiker Robert Sauer. Den hatte nach dem Krieg eine amerikanische Delegation mit den Worten begr\u00fc\u00dft:&nbsp;<em>Ihr Buch ist unsere Bibel!<\/em>&nbsp;Die Bibel? Ein Buch \u00fcber Gasdynamik, genauer mathematische Gasdynamik. Mitten im Kriege war es 1943 gedruckt worden, und gleich auf die andere Seite der Front geraten. Noch im Krieg wird es ins Englische und Russische \u00fcbersetzt. Man konnte das Buch kurz darauf in New York und Moskau kaufen, in der jeweiligen Landessprache. Eine franz\u00f6sische \u00dcbersetzung kam hinzu.<\/p>\n\n\n\n<p>Stetter tritt in Sauers Diensten und promoviert 1955 mit einem Thema aus der Gasdynamik:&nbsp;<em>Beitr\u00e4ge zum Wechselwirkungsproblem in linearisierter \u00dcberschallstr\u00f6mung.<\/em>&nbsp;Heuer, 2005, kann Stetter sein goldenes Doktorjubil\u00e4um feiern. In der Folge erscheinen weitere Arbeiten Stetters zu Themen aus der Gasdynamik. Schlie\u00dflich seine Habilitationsschrift:&nbsp;<em>Numerische Charakteristiken &#8212; Verfahren hoher Genauigkeit f\u00fcr quasilineare Differentialgleichungen vom hyperbolischen Typ.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Sauer hat gro\u00dfes Vertrauen zu Stetter, und Stetter wird bald seine rechte Hand, begleitet Sauer auf wichtigen Reisen. Unter Sauers Assistenten ist Stetter unangefochten der neidlos anerkannte primus inter pares. Stetter k\u00fcmmert sich um alles, hilft uneigenn\u00fctzig, nimmt Fehler, die andere machen, auf sich und steckt daf\u00fcr manches Donnerwetter des Chefs ein. Sauer war nicht nur ein sehr bekannter Mathematiker der angewandten Richtung, er verf\u00fcgte auch \u00fcber exzellente Beziehungen in das Bayerische Finanzministerium. Er, ein Mann mit gro\u00dfem Weitblick, wollte einen programmgesteuerten Digitalrechner bauen, und man gew\u00e4hrte ihm daf\u00fcr 1 Million DM, 1954 eine Unsumme Geldes. Der Rechner wird gebaut, und Stetter ist auch daran indirekt und direkt beteiligt.<br>Renommierte ausl\u00e4ndische Wissenschaftler privater und staatlicher Institutionen waren in den 60er Jahren st\u00e4ndig G\u00e4ste am Mathematischen Institut der Technischen Hochschule, gingen ein und aus. Zu einer Zeit, von der Ideologen heute behaupten, sie sei r\u00fcckst\u00e4ndig und voller Muff gewesen. Einmal suchte der Forschungsleiter der Turbinenabteilung von General Electric bei Sauer und Mitarbeitern Rat, wie Turbinenschaufeln optimal gestaltet werden k\u00f6nnten. Heute, nach Dutzenden politisch erzwungener universit\u00e4rer Reformen (?), die dem Fortschritt in der Forschung dienen sollten, kommen weniger Leute.<\/p>\n\n\n\n<p>Stetter zeichnete sich nicht nur durch seine mathematischen Leistungen aus, die Sauer beeindruckten, er verf\u00fcgte daneben auch \u00fcber betr\u00e4chtliches Organisationstalent. Der Weltkongre\u00df der International Federation of Information Processing IFIP findet 1962 zum erstenmal in Deutschland, in M\u00fcnchen, statt, und Stetter ist auf Wunsch Sauers einer der Mitorganisatoren. Pr\u00e4sident Auerbach findet nach Abschlu\u00df des Kongresses nur Lobeshymnen f\u00fcr die vorz\u00fcglich geleistete Arbeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Daneben aber und vor allem laufen Stetters wissenschaftliche Arbeiten. Er arbeitet \u00fcber partielle Differentialgleichungen vom hyperbolischen Typ, untersucht die Konvergenz von Differenzenverfahren auf einem Netz von Charakteristiken, arbeitet \u00fcber starke und schwache Stabilit\u00e4t bei Diskretisierungsalgorithmen, \u00fcber das Verhalten von Pr\u00e4diktor-Korrektor-Verfahren, und wieder \u00fcber partielle Differentialgleichungen. Stetter wird zum Mitbegr\u00fcnder einer neuen mathematischen Disziplin, der Numerischen Mathematik. Ohne die stete F\u00f6rderung des einflu\u00dfreichen Sauer w\u00e4re das in M\u00fcnchen nicht m\u00f6glich gewesen. Das war nicht \u00fcberall so. Nicht wenige andere Universit\u00e4ten im deutschsprachigen Raum verhielten sich, was die Unterst\u00fctzung dieser Art angewandter Mathematik betrifft, restriktiv bis ablehnend. Der Exodus der 30er Jahre von klugen und kl\u00fcgsten Mathematikern dieser Richtung wirkte in Deutschland immer noch nach und war schmerzlich sp\u00fcrbar. Nicht so an der TH M\u00fcnchen. Die jungen Mathematiker konnten hier wie unter einer sch\u00fctzenden Glocke arbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Stetter wird durch seine bedeutenden Arbeiten im Inland und Ausland bekannt, sein wissenschaftliches Ansehen steigt. Und er erh\u00e4lt ehrenvolle Rufe. Den auf eine Lehrkanzel der Technischen Hochschule Wien als ord. Hochschulprofessor f\u00fcr Rechentechnik nimmt er an. In Wien f\u00fchrt er sich mit einem eindrucksvollen Vortrag \u00fcber Mathematik und Kalk\u00fcl ein, spricht \u00fcber die Beweisbarkeit mathematischer Lehrs\u00e4tze durch Computer, und auch \u00fcber den ber\u00fchmten Unvollst\u00e4ndigkeitssatz des Wieners Kurt Goedel. In diesem Vortrag zeigt sich Stetter weit vorausschauend, beschreibt Dinge, die Jahrzehnte sp\u00e4ter Wirklichkeit werden sollten. Die Entstehung einer neuen Wissenschaft vom Computer, der&nbsp;<em>Informatik<\/em>&nbsp;&#8212; der Name wurde aus dem Franz\u00f6sischen \u00fcbernommen &#8212; lag damals in der Luft. Man kann die Informatik als eine Tochter der Mathematik ansehen. Und wie so h\u00e4ufig ist die Tochter wohlhabender geworden als es die Mutter war und immer noch ist. Aber das geh\u00f6rt eigentlich nicht hierher. Bei der zeitgerechten Einf\u00fchrung dieser neuen Lehrgebiete an die Hohen Schulen \u00d6sterreichs hat Hans J\u00f6rg Stetter eine Schl\u00fcsselrolle gespielt, freilich eher im Verborgenen, und nur wenige wu\u00dften davon. Es war wie so oft: Die Sterne standen g\u00fcnstig und der rechte Mann, Stetter, war zur rechten Zeit am rechten Ort, und zwar mit dem damaligen \u00f6sterreichischen Bundeskanzler Klaus.<\/p>\n\n\n\n<p>In den letzten Jahren hat Stetter Gedanken von damals wieder aufgegriffen. Sein wissenschaftliches Interesse richtete sich auf die Computer-Algebra. Ihr Einsatz erweitert abermals die M\u00f6glichkeiten, die heutige Rechner bei der L\u00f6sung schwieriger praktischer Probleme bieten. Stetters neuestes Lehrbuch dazu,&nbsp;<em>Numerical Polynomial Algebra<\/em>, ist vor kurzem erschienen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Zentrum des wissenschaftlichen Interesses von Stetter standen aber \u00fcber Jahrzehnte die Differentialgleichungen. Zwar kennt die Mathematik seit langem Existenz- und Eindeutigkeitss\u00e4tze zumindest f\u00fcr die L\u00f6sungen bei Anfangswertaufgaben, aber das gen\u00fcgte nicht. Das eigentliche Problem ist die Gewinnung expliziter numerischer L\u00f6sungen &#8212; an analytische L\u00f6sungen ist hier \u00fcberhaupt nicht zu denken. Die Idee, das dem Computer zu \u00fcberlassen &#8212; man h\u00f6rt das gelegentlich sogar von Mathematikern (!) &#8211; ist naiv. Denn darum geht es ja, wie soll der Computer das machen? Und die zu behandelnden Systeme sind gro\u00df, riesengro\u00df. Bei der Berechnung von Chips, den eigentlichen Bestandteilen eines Computers, m\u00fcssen die L\u00f6sungen von bis zu 5 Millionen Differentialgleichungen bestimmt werden! Stetters umfangreiches wissenschaftliches Werk behandelt in zahlreichen wichtigen Arbeiten eine F\u00fclle von Aspekten. Die Diskretisierung: dabei werden die Differentialgleichungen in Differenzengleichungen \u00fcbergef\u00fchrt, und die sind auf einem Computer l\u00f6sbar. In seinen Arbeiten untersuchte er die Stabilit\u00e4t aller Arten von Diskretisierungen. Die Fehler, die bei Diskretisierungen auftreten und ihre Beherrschung, d.h. Genauigkeitsangaben, sind ein fast un\u00fcbersehbares Feld, auf dem er erfolgreich t\u00e4tig war. Asymptotische Entwicklungen nach dem Fehlerparameter h , die dazu dienen, die L\u00f6sung hinreichend genau zu approximieren, nehmen dabei einen wichtigen Platz in seinen Forschungen ein. Ebenso die Fehlereinschlie\u00dfung durch Intervallarithmetik.<\/p>\n\n\n\n<p>Stetters Arbeiten waren einer ganzen Generation von numerischen Mathematikern Vorbild. Zahllose Anregungen sind von diesen Arbeiten ausgegangen, und sie haben die ganze Zunft beeinflu\u00dft. In Wien hat Stetter eine ganze Schule geschaffen.<br>Der Wissenschaftler Stetter ist in der internationalen Fachwelt hochangesehen. Als bedeutender Numeriker erhielt und erh\u00e4lt er Einladungen zu Vortr\u00e4gen in alle Erdteile. Sein Rat ist gesucht. Und seine Frau hat \u00fcber Jahrzehnte ohne Murren die Last getragen, mit einem Mathematiker verheiratet zu sein.<br>Stetters Vorlesungen, Vortr\u00e4ge und seine gesch\u00e4tzten Lehrb\u00fccher atmen von dem, was der ber\u00fchmte deutsch-griechische Mathematiker Carath\u00e9odory meinte, als er schrieb: Eine mathematische Theorie lernt man am besten aus Beispielen.<\/p>\n\n\n\n<p>Friedrich von Hardenberg, Salinenassessor in Wei\u00dfenfels, Studium der Mathematik, auch der Mathematik, in Freiberg\/Sachsen. Er soll vorz\u00fcgliche Kenntnisse dieser Wissenschaft besessen haben, er, den man unter seinen Dichternamen NOVALIS kennt. Ein Feuerkopf, der Gedanken spr\u00fchte, und die Mathematik hat er hoch ger\u00fchmt. Das sei doch nur leere Lobpreisung der Mathematik und nichts wert, hat es in selbstgef\u00e4lliger Beschr\u00e4nktheit von manchen deutschen Lehrst\u00fchlen get\u00f6nt. Nein! Wir nehmen ihn ernst. Wer, au\u00dfer gro\u00dfen Dichtern wie Musil, Novalis, k\u00f6nnte uns die tief verborgenen Wahrheiten \u00fcber Mathematik offenbaren.<\/p>\n\n\n\n<p>Novalis:&nbsp;<em>Der Mathematiker wei\u00df alles. Er k\u00f6nnte es, wenn er es nicht w\u00fc\u00dfte. Die Mathematiker sind die einzig Gl\u00fccklichen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wir d\u00fcrfen uns Hans J\u00f6rg Stetter als einen gl\u00fccklichen Menschen vorstellen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hans J\u00f6rg Stetter, Dienstag, 8. April 1930. Der Chronist notiert:&nbsp;Berlin, Parteivorstand und Parteivertretung der Deutschnationalen Volkspartei sprechen Alfred Hugenberg als dem Parteivorsitzenden einstimmig das Vertrauen aus. Hugenbergs Stellung wurde am 3. 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